Heraldik - Wappenkunde - Entwicklung


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Eine sehr interessante Ausführung zu diesem Thema findet man in Meyers Konversationslexikon als Beispiel zur Wappenentwicklung

Entwicklung der Wappenkunst.

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Fig. 1. Wappen des Minnesingers Otto von Botenlaube (s.d.), der um 1300 zusammengetragenen Weingarter Liederhandschrift entnommen. Der Helm steht ›im Visier‹ und ist gänzlich, unbedeckt.

Fig. 2. Wappen der Grafen von Frohburg, aus der Züricher Wappenrolle um 1320. Der Helm ist hinten mit einem ganz schmucklosen roten Tuch bedeckt. Das Wappenbild ist ein Fehadler. Auf den Kampfschilden des Mittelalters wurde er aus Pelzen einer nordischen Eichhornart, Feh genannt, zusammengesetzt.

Fig. 3. Wappen der Herren von Kranichberg, aus dem St. Christopheri-Bruderschaftsbuch um 1400. Die ganz entwickelte Helmdecke ist ein ausgezaddeltes Tuch, das mit dem Helmkleinod zusammenhängt.

Fig. 4. Wappen der Stadt Görlitz, nach dem von Kaiser Siegmund 1433 erteilten Wappenbrief. Der Stechhelm ist mit einer ausgezaddelten, aber schon reichern Helmdecke versehen. Das Flügelkleinod veranschaulicht die alte Methode der Anfertigung und Befestigung. Die Fläche ist aus einer leichten Holzart oder Flechtwerk zubereitet, in das oben die Federn gesteckt werden. Das Kleinod ist auf den Helm angepaßt und festgebunden. Da bald darauf die Kleinode nicht mehr in natura getragen wurden und die Maler sich an der Fiktion der Befestigung nicht mehr zu binden brauchten, entwickelten sich die Flügelkleinode freier und gefälliger. Überhaupt wird jetzt erst das Wappen eine ornamentale Komposition.

Fig. 5. Wappen des Hieronymus Fischer, nach dem kaiserlichen Wappenbrief von 1492. Dieses Wappen zeigt den Unterschied, den wir in der vorhergehenden Nummer betont haben, in einer augenfälligen Weise. Die Laubgewinde, die vom Helm ausgehen (im Prinzip die moderne Helmdecke), bedecken das ganze Wappen.

Fig. 6. Wappen der Familie Letscher (Nürnberg), nach einem Holzschnitzwerk von 1487 im Germanischen Museum zu Nürnberg. Die Helmdecke besteht aus dichtem Bandwerk.

Fig. 7. Wappen der Herren von Rogendorff, nach einem großen Holzschnitt nach einer 1520 ausgeführten Zeichnung von A. Dürer, für die der Meister sieben Ellen Samt als Geschenk erhielt. Das Größenverhältnis der einzelnen Teile des Wappens ist geändert: das Kleinod nimmt nahezu die Hälfte der ganzen Höhe ein. Die Form der Helmdecke charakterisiert alle Dürerschen Wappenzeichnungen. Die Auffassung der Tiere ist naturalistisch.

Ein Vergleich der Nummern 1–7 ergibt, daß die Schilde sämtlich nach der rechten Seite hin gelehnt sind. Diese Neigung wird von Nr. 5 ab immer schwächer, in der Folge stehen die Schilde aufrecht.

Fig. 8. Wappen des Johannes Saganta, nach einem Holzschnitt von Hans Burgkmair dem jüngern (gest. 1559), ein Werk, das man als auf dem Höhepunkt der Kunst stehend bezeichnen kann.

Die folgenden Muster zeigen einen raschen Rückgang.

Fig. 9. Wappen der Familie Neudörffer (Nürnberg), nach einem Holzschnitt von Jost Amman (gest. 1591). Sogen ›heidnische‹ Helmkrone, mit spitzen Zacken. Rechts neben dem Wappen steht eine weibliche Gestalt, das Charakteristische der Ammanschen Arbeiten.

Fig. 10. Wappen des Georg Nikol. von Merz, nach einem Bücherzeichen des 18. Jahrhunderts, in dem sich bereits eine Entartung des Wappenstils zeigt. Auf dem Helm müßte der Symmetrie wegen ein Doppelflug stehen.

Fig. 11. Wappen des Freiherrn von Schiller (Sohnes des Dichters, von dem König von Württemberg 1845 in den Freiherrenstand erhoben). Unsre Abbildung, dem gleichzeitigen Dorstschen Wappenbuch entnommen, gehört zu den bessern Leistungen der mittlern Schule der Heroldskunst. Die Ordnung der Helme ist fehlerhaft; auf dem ersten Helm müßten zwei Pfeile schräggekreuzt stehen.

Fig. 12. Wappen des Königreichs Bayern, nach einem Kupferstich aus neuerer Zeit. Die Visierung des Wappens stammt aus der Regierungszeit des Königs Ludwig II. und stellt ein gutes Muster der modernen Fürstenwappen dar, die durch ihre heraldische Prachtentfaltung beachtenswert sind.

Zu dem Schilde trat der Helm erst seit dem 13. Jahrh. als zweiter Hauptbestandteil des Wappens hinzu, mit Recht aber nur für die Wappen ritterbürtiger Personen und Geschlechter. Als besondere Auszeichnung wurde er jedoch auch Städten und einzelnen Körperschaften verliehen. Zuerst erschien der Helm an den Wappen in der Form des Topfhelms, an dem das plastisch gearbeitete Wappenbild oder Helmkleinod (Zimier, cimier) an der Seite festgebunden wurde (Fig. 1 u. 2 der Tafel). Seit etwa 1360 fand der Topf- oder Stechhelm (letztern s. Fig. 3–6) nur noch bei Turnieren (hier auch von Leder) Verwendung. Neben ihm kam unter Kaiser Friedrich III. (1440–93) der Spangenhelm (für das Schwert- und Kolbenturnier) auf, seitdem ›Turnierhelm‹ im engern Sinne genannt, den nur turnierfähige Geschlechter zu führen berechtigt waren, und der von vornherein nur diesen Geschlechtern diplommäßig zuerkannt wurde (Fig. 7, 8 u. 10). Inzwischen blieb bis Mitte des 16. Jahrh. der Stechhelm auch für Personen höchsten Standes gangbar; von da ab war in Deutschland der Stechhelm der ausschließlich bürgerliche, der Spangen- oder Turnierhelm der ausschließlich adlige Wappenhelm. Nur die Doktoren waren ausnahmsweise berechtigt, den Spangenhelm ohne besondere kaiserliche Bewilligung in ihrem Wappen zu führen. Die französische Heraldik erfand eine Skala von Ranghelmen, von denen der königliche ganz offenes Visier hatte, während die Herzoge, Grafen, Barone etc. eine absteigende Zahl von Spangen führen sollten. Von der deutschen Heraldik wurde der Ranghelm nicht angenommen. Nur der offene königliche Helm wurde vom König Friedrich I. von Preußen eingebürgert. Die moderne Heraldik hat auch den Unterschied zwischen adligem und bürgerlichem Helm beseitigt.

Die Stellung des Helms richtet sich nach der des Schildes. Ein nach rechts geneigter Schild kann keinen nach links gewendeten Helm tragen. Die Fütterung der Helme ist in der Heraldik rot. Das Halskleinod (Fig. 10 u. 11) ist eine unwesentliche Zugabe des Helms, ein an einer Kette um das Halsstück gelegtes Medaillon, wohl ein Zeichen der Turniergesellschaften oder eins jener Turnierkleinode, die der Preis des Siegers im Einzelkampf waren. Hinten über dem Helm, lediglich zur Verkleidung der kahlen Fläche, hing ein Tuch, die Helmdecke, herab. In diese wurden mit Seide Bilder gestickt, unten hingen goldene Fransen herab. Bald wurde die Helmdecke ein immer reicher sich entfaltendes Ornament , durch das ganze 14. Jahrh. überwiegend einfarbig, später zwei- und mehrfarbig und in der Regel die Wappenfarben zeigend (Fig. 6–11). Gegen Ende des 16. Jahrh. kam die Mode auf, die Helmdecke als Mantel zu zeichnen, woraus sich der sogen. Pavillon oder Wappenmantel entwickelte (Fig. 12). Bei den Turnierhelmen wurden die Helmkleinode, um die gekämpft wurde, oben befestigt. Sie bestanden aus Metall, Leder, Holz, Tuch, Filz, Flechtwerk, ausgestopften Tierbälgen, Hörnern, Flügeln, Federn, Hüten, Mützen u. dgl., die im Zusammenhang mit dem Wappen des Trägers standen. Sie wurden durch die Helmkrone (einen goldenen Reif mit fünf sichtbaren Zacken, von denen drei mit Blättern verziert und zwei mit Perlen besetzt sind, vgl. Fig. 7–11) oder den Helmwulst gehalten. Letzterer, in ältern Diplomen auch Sendel- (Zindel-) Binde, türkischer Bund oder Bausch genannt, war in der Ritterzeit der Schapel, meist ein Geschenk der Damen oder Turnierdank, eine aus mehrfarbigem Zeug (zindâl) gewundene Binde, mit der das Helmkleinod unterbunden wurde, so daß die Bänder hinten abflatterten. Auch als Blumenkranz kommt der Schapel häufig vor. Seit Mitte des 16. Jahrh. wurde die Sendelbinde in der Regel den bürgerlichen Geschlechtern an Stelle der Helmkrone verliehen. Vgl. Suttner, Der Helm von seinem Ursprung bis zur Mitte des 17. Jahrh. (Wien 1878, mit 48 Tafeln); Warnecke, Heraldisches Handbuch (6. Aufl., Frankf. 1892).

Die künstlerische Darstellung der Wappen lag ursprünglich in den Händen der Miniatoren und Illuminatoren, neben denen sich aber auch Dilettanten in der Anfertigung von einzelnen Wappen und ganzen Wappenbüchern betätigten. Im 15. und 16. Jahrh. gab es besondere Wappenmaler, über deren handwerksmäßigen Betrieb die Darstellung von Wappen durch A. Dürer (Fig. 7), die deutschen Kleinmeister, H. Burgkmair (Fig. 8), J. Amman (Fig. 9) u.a. erst zur wirklichen Kunst erhoben wurde. Rasch trat aber wieder ein Verfall in der künstlerischen wie in der heraldisch richtigen Darstellung der Wappen ein, und erst von der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. ab wurde wieder von der wissenschaftlichen Heraldik auf eine heraldisch richtige und zugleich von künstlerischem Geist geleitete Darstellung der Wappen gedrungen. Auch jetzt gibt es wieder, besonders in Berlin und Wien, Wappenmaler, die beiden Anforderungen entsprechen.

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