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Wappenkunde Heraldik Prachtstücke


Sehr spät kamen die sogenannten Prachtstücke hinzu. Prachtstücke sind Orden, Rangkronen, Schildhalter, Abzeichen, Wahlsprüche usw.

1. Schildhalter

Figuren

Schildhalter Heraldik Wappenbuch Wappen

Die ältesten zur künstlerischen Ausschmückung verwendeten Prachtstücke sind die Schildhalter. Während urspürnglich der Reitende selbst das Schild trug, übernimmt beim Schildhalter eine Figur diese Rolle. So bedienten sich z.B. der französische König Ludwig XII. zweier Stachelschweine als Schildhalter, oder Karl VI. zweier Hirsche. Die ältesten Schildhalter sind fast ausschließlich Männer in der ritterlichen Kriegsrüstung des Zeitalters (XII., XIII. und XiV. Jahrhundert). Erst ab der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts kommen Wappentiere, phantastische oder allegorische Figuren zum Einsatz. Im XV. und XVI. Jahrhundert wurde eine reichere Ausschmückung beliebter, was man auch in der Architektur und Kunst merkte - dies spiegelte sich auch in den Schildhaltern, die ausladendere und phantasiereichere Formen annahmen.

Das Bild links stammt aus dem Jahr 1579. Vor allem bei den weiblichen Schildhaltern kann man die Mode der jeweiligen Zeit ablesen. Am häufigsten wurden aber Tiere als Schildhalter benutzt. Heinrich der VI. von England nutzte Greife als Schildhalter, auf dem Wappen des österreichischen Erzherzogs Maximilian und seiner Gattin Maria, findet man einen Löwen als Schildhalter, der einen Helm trägt, und die Ordenskette des goldenen Vlieses um den Hals hängen hat. Es gibt in der ganzen Heraldik kein natürliches oder Fabeltier, das nicht als Schildhalter hätte benutz werden dürfen.

Wappenmäntel und Wappenzelte

Ein weiteres heraldisches Prachtstück das zur künstlerischen Ausschmückung dient sind die Wappenmäntel und Wappenzelte. Sie bestehen entweder aus den Stoffen nach der Hauptfarbe des Schildes, sind oft aber auch nur purpur mit Hermelin, Grauwerk und ähnlichem gefüttert. Sie bilden die Helmdecken auf Schilden die mit Kronen, Hüten und Bischofsmützen geschmückt sind. Sie unterscheiden sich von den Helmdecken, dass sie in Wahrheit nicht wirklich getragen wurden, oder getragen werden konnten, und meist auch in keinem direkten Zusammenhang mit dem Wappen stehen. Je nachdem ob der Stoff oberhalb oder unterhalb der Krone gezeichnet ist, bezeichnet man dieses Prachtstück als Wappenmantel (unterhalb) oder Wappenzelt (oberhalb).

Rennfähnlein, Banner und Strumfahnen

Diesen Elementen wurden schon bei den heraldischen Kleinoden erwähnt, und finden auch als Prachtstück Verwendung. In Bezug auf eine Datierung sind sie etwa so alt wie die Schildhalter. Auf den Fahnen wiederholten sich meist die Elemente des Wappens. Es ist bekannt, dass man mit Fahnen belehnt wurde, und im Banner Begriff und Zeichen einer Amtsgewalt, bzw. Würde finden konnte. Ihre künstlerische Ausgestaltung richtete sich nach der Mode der Zeit - speziell was die Form betrifft.

2. Rang und Würde bezeichnende Attribute

Die zweite Gruppe der Prachtstücke sind Elemente die Rang und Würde des Trägers bezeichnen. Prachtstücke sind Elemente die außerhalb des Schildes in dekorativer Weise angebracht sind. Ordenskreuze, Schenkenbecher, Schwerter des Marschallamtes usw. die innerhalb des Schildes angebracht sind - zählen nicht zu den zu den Prachtstücken - sondern zu den Wappenfiguren. Bis zum XV. Jahrhundert war es Brauch Amts- und Würdezeichen im Schild zu führenoder als Kleinod anzuwenden. Mand findet die Ordens und Würdezeichen z.B. im Wappenbuch des Conrad Grüneberg - Bürger und Ritter zu Costenz aus dem Jahr 1483. Die Bilder 4 und 7-18 sind diesem Werk entnommen.

Prachtstücke

In dem Buch findet man z.B. den Schenkenbecher des Königs von Böhmen (Fig. 15) korrespondierend zum Amt des Erzschenkes des heiligen römischen Reiches. Figur 16 zeigt die goldene Schüssel - zeichen des Erztruchsess, in dem Fall dem Pfalzgraf bei Rhein zugeordnet. Der Herzog von Sachsen trägt als Erzmarschall das Reichsschwert (Figur 17.) Der Markgraf von Brandenburg hat als Erzkämmerer den Reichszepter (Figur 18). Figur 12 und 13 - die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier haben als des heiligen römischen Reiches Erzkanzler sämtlich das mobile Schreibzeug des XV Jahrhunderts nebst Siegelkapsel und einem leeren Pergamentblatte mit daranhängendem Insiegel, auf die gleiche Weise angebracht, als die Symbole Ihrer Würde. Auf einem Grabstein eines gewissen Heinricht Ketzl des Älteren (gestorben 1430) rechts und links oberhalb des Geschlechterwappens die Zeichen jener vier Ritterlichen Genossenschafften, denen der Verstorbene einst angehörte - Dies waren - der Orden vom heiligen Grab (Fig. 2) der Kannenorden (Fig. 4), der Orden S. Salvador (Fig.5) und der Hl. Katharina (Fig. 3). In der Figur 6 ist die Cooperation von S. Salvador und S. Catharina vereint dargestellt. Bekannter ist das Zeichen des goldenen Vlies-Odrens (Fig.1), welches nicht nur auf Fahnen, Gewändern und Münzen eine große Rolle spielt, sonder nicht minder häufig neben den kaiserlichen und anderen Souveränitätswappen beiderseits schwebend angebracht wurde.

3. Hüte Bischofsmützen und Kronen

Geistliche Attribute

Hüte, Bischofsmützen und Kronen sind den weltlichen (Adelsgrad) oder geistlichen Rang bezeichnende heraldische Prachtstücke - sie kamen im XV. und XVI. Jahrhundert in Gebrauch - als heraldische Bezeichnung geistlicher und weltlicher Würden. Wobei die geislichen Attribute (Bischhof, Kardinal, etc.) schon lange vor den weltlichen (Ritter, Grafen) in Gebrauch kamen.

Heraldik geistliche Prachtstücke Kardinalshut PapstTafel 56-1

Auf Tafel 56-1 Bild 1 sieht man die päpstlichen Zeichen - allen voran das Schlüsselbar - Bild 2 ist ein Kardinalshut mit beiderseits abhängenden Quasten - Bild 3 zeigt einen Erzbischöflichen Hut - in grüner Farbe mit 10 Quasten auf jeder Seite in der Reihenfolge 1-2-3-4.

Heraldik geistliche PrachtstückeTafel 56-2

Bild 4 zeigt einen bischöflichen Hut, Bild 5 einen Pronotariatshut. Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte mit landesfürstlicher Hoheit sind durch das Schwert und den Krummstab hinter dem Schild gekennzeichnet (Bild 6) , wenn sie keine landesfürstliche Hoheit hatten dann fand man nur den Krummstab - wie auf Bild 7. Äbtissinnen hatten einen Krummstab mit flatternder Binde - Bild 8. Prioren, Priorinnen und Prälaten führten als Zeichen einen gerade senkrecht hinter dem Schild stehenden Pilgerstab, mit einerm rund um das Schild gelegten Paternoster (Rosenkranz).

Weibliche Standeszeichen

Weibliche Standeszeichen kennzeichnen den Ehe-, Witwen- und Jungfrauenstand einer Dame. Diese waren besonders in Frankreich bekannt - in Deutschland waren diese Darstellungen nicht in Gebrauch.

Weibliche Prachtstücke HeraldikTafel 56-3

Ledige Damen umgaben ihr Schild mit Blumenkränzen, Palmzweigen, Rosengirlanden, etc. (Tafel 56-3 Bild 9). Verheiratete Frauen umgaben ihr Schild mit Kordeln und Schnüren (Bild 10) und Schiebeknoten - Witwen nutzten die gleichen Schnüre, nur ohne Schiebeknoten.

Weltliche Rangkronen

Von den weltlichen Rangkronen steht als erste die Reichskrone - die deutsche Krone auf Bild 12 wird entweder Karl dem Großen oder Konrad II. zugeordnet. Bild 13 zeigt die österreichische Reichskrone.

Adelige Prachtstücke Heraldik Tafel 56-4

Bild 14 zeigt eine Königskrone - welche nach heraldischer Regel nicht auf großherzoglichen oder souveränen Wappen verwendet werden sollte - da offene Bügelkronen ausschließlich Königen gebührte.

Heraldik Prachtstück Krone Fürstenhut Tafel 56-5

Auf Tafel 56-5 sieht man beginnend mit Bild 15 einen Fürstenhut mit Spangen und Bügeln von Großherzogen und Herzogen verwendet, Bild 16 zeigt ein Fürstenhut ohne Spangen und Bügeln für Kurfürsten und Fürsten. Die Grafenkrone auf Bild 17 hat neun große Perlen, der volle Reif trägt 16 Stück. Die Freiherren Krone auf Bild 18 hat 7 Perlen und am Reif 12 - und zuletzt Ritter und Edelleute führten 5 Perlen, am ganzen Reif 8 - wie auf Bild 19.

4. Losungsworte Sinnsprüche und Devisen

Losungsworte, Sinnsprüche und Devisen kommen besonders in England häufig vor. Im deutschsprachigen Raum sind sie eher selten - im Mittelalter, als erbliche Wappensprüche sind sie unbekannt.

Quelle: Mayer, Carl Ritter von. - Heraldisches A.B.C. Buch

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